E.ON, Vattenfall, T-Systems und Mitsubishi wollen sich e-clearing.net anschließen

Logo_E-CLEARING.NET_RGB_gruenE.ON, Vattenfall, T-Systems und Mitsubishi geben eine Absichtserklärung ab, der offenen Roaming-Plattform für Elektromobilität e-clearing.net beizutreten, sobald diese im Sommer an den Markt geht. Auch VERBUND AG aus Österreich prüft eine Kooperation mit der Roaming-Plattform. Initiatoren der Datendrehscheibe sind die smartlab Innovationsgesellschaft, die niederländische Stiftung e-laad.nl und Blue Corner aus Belgien. Hervorgegangen ist e-clearing.net aus dem Leuchtturmprojekt econnect Germany, welches das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) im Rahmen des Förderschwerpunkts IKT für Elektromobilität II kofinanziert.

Aachen. Ladeinfrastruktur muss einfach und systemoffen zugänglich sein. Fahrer eines Elektroautos möchten genauso unkompliziert und uneingeschränkt laden können, wie sie ein konventionell betriebenes Auto betanken: Für die Nutzung der Infrastruktur, den Datentransfer zur Abrechnung etc. ist der Kunde nicht bereit, extra zu zahlen.

Die Realität beim Thema Interoperabilität sieht jedoch anders aus: Eine Vielzahl von Playern im jungen Markt der Elektromobilität betreiben Ladesäulen und schaffen dabei oft Insellösungen: Ihre eigenen Kunden können die Säulen nutzen, Fremdkunden bleiben jedoch außen vor. Die Nutzung ist an einen Vertrag zwischen Betreiber und Kunden gebunden. Verschiedene Netze zu nutzen, wie zum Beispiel beim Roaming auf dem Telekommunikationsmarkt, ist nur selten möglich. Zwar gibt es Netzwerke wie ladenetz.de, eine Initiative der smartlab von Stadtwerken für Stadtwerke, in der derzeit 34 Partner gegenseitig ihre Ladeinfrastruktur für ihre Kunden öffnen. Hier bestehen unter anderem auch Roaming-Verträge mit Vattenfall und The New Motion (TNM). Dennoch bräuchte man heutzutage noch eine hohe zweistellige Anzahl an Verträgen und Zugangsschlüsseln, um allein in Deutschland flächendeckend laden zu können.

Dies soll mit e-clearing einfacher werden. Derzeit testen die smartlab mit ihrer Initiative ladenetz.de, e-laad.nl als größter niederländischer Ladeinfrastrukturbetreiber im öffentlichen Raum mit über 1700 Ladesäulen, The New Motion (TNM), Estonteco und Blue Corner einen fortgeschrittenen Prototypen von e-clearing.net im Rahmen des Forschungsprojekts econnect Germany. Wenn die Forschungsförderung Mitte des Jahres ausläuft und die Ergebnisse verwertet werden können, soll die offene Roaming-Plattform zur Marktreife gelangen. Bereits heute haben die Energiekonzerne E.ON SE, Vattenfall und VERBUND AG, der ICT-Dienstleister T-Systems sowie der Automobilhersteller Mitsubishi Motors Automobile GmbH eine Absichtserklärung abgegeben, dass sie sich e-clearing.net anschließen möchten, sobald die Plattform an den Markt geht.

E.ON bietet Ladelösungen für Elektromobilität in zehn europäischen Märkten an und sieht systemoffenes Roaming als wichtigen Service für seine Kunden an. „Dadurch kann E.ON künftig seinen Kunden günstig eine Ladekarte für Europa anbieten“, sagt Stephan Ramesohl, Leiter Innovation Portfolio Management  bei E.ON, „Dritte bekommen umgekehrt Zugang zu E.ON-Ladestationen, und zwar unabhängig von Öffnungszeiten.“ Allein in Dänemark und Deutschland betreibt E.ON knapp 800 öffentlich zugängliche Ladestationen und mehrere Schnellladestationen. Für E.ON würde eine Mitgliedschaft bei e-clearing.net viele Vorteile bieten. Durch die Teilnahme an einer nicht gewinnorientierten und offenen Plattform kann preiswertes Roaming für den Endkunden realisiert und gemeinsam weiterentwickelt werden. Dies ist zentral für E.ON, denn der Markt erlebt derzeit noch hohe Produkt- und Servicekosten. Des Weiteren wird der Wettbewerb von Roaming-Lösungen im Markthochlauf unterstützt.

Vattenfall und ladenetz.de kooperieren bereits seit gut einem Jahr, indem beide Partner ihren Kunden die gegenseitige Nutzung ihrer öffentlichen Ladestationen für Elektromobile ermöglichen. „Die Anbindung an e-clearing.net eröffnet uns die Möglichkeit, unsere Aktivitäten in Deutschland und in den Niederlanden über eine einzige Plattform mit Roamingpartnern zu verknüpfen“, so Joris Hupperets, Leiter der E-Mobility-Aktivitäten bei Vattenfall. „Wir betreiben mehr als 350 öffentliche Ladepunkte in der Metropolregion Amsterdam und mehr als 200 öffentlich zugängliche Ladepunkte in Berlin und Hamburg. Wir freuen uns, wenn damit unsere Kunden zukünftig auch grenzüberschreitend laden können.“

Der Wasserkraftkonzern VERBUND baut in Österreich unter der Marke SMATRICS ein landesweites Netzwerk von öffentlich zugänglichen Ladestationen auf mit Schwerpunkt auf beschleunigter und schneller Ladung. „Die Zugänglichkeit der Ladestationen für alle Fahrer von Elektrofahrzeugen ist für die Akzeptanz der neuen Technologie extrem wichtig“, sagt Wolfgang Pell, Leiter Innovation bei VERBUND. „Wir arbeiten daher mit verschiedenen Partnern und in Forschungsprojekten an der Öffnung unserer Ladeinfrastruktur und an der grenzüberschreitenden Vernetzung mit anderen Anbietern.“ Mit E.ON kooperiert VERBUND bereits in Forschungs- und Demonstrationsprojekten, um in Mitteleuropa zwischen Bratislava, Wien, Salzburg und München für Kunden einen einheitlich zugänglichen Service zu schaffen. „Wir unterstützen alle europäischen Initiativen, die für Kunden Mehrwert schaffen und gleichzeitig den Anbietern Raum für die Entwicklung ihrer jeweiligen Geschäftsmodelle bieten“, so Pell. VERBUND arbeitet auch als Partner des EU-Projektes Green eMotion an der Entwicklung von europaweiten Roaming-Systemen aktiv mit und steht mit weiteren Plattformen in Gesprächen.

Auch T-Systems will mit Partnern und Kunden gemeinsam die Plattform weiterentwickeln und voran bringen. „Wir engagieren uns schon seit Jahren in verschiedenen  Projekten rund um die Elektromobilität und bündeln in unserem Geschäftsfeld  die komplette Kompetenz der Telekom für die Fahrzeugvernetzung. Dazu gehört neben der Konnektivität und entsprechenden E-Mobility-Services und -Apps auch eine offene, standardisierte Betriebsplattform. Insofern macht es Sinn, die gemeinsame Zusammenarbeit mit der smartlab beim Thema e-clearing.net weiter zu intensivieren“, erklärt Dr. Johannes Springer, Leiter Technologie im Konzerngeschäftsfeld Vernetztes Fahrzeug.

Auch der Importeur von Mitsubishi Motors in Deutschland, die MMD Automobile GmbH, will sich dem starken Industrieverbund aus Partnern in den Bereichen Energie und IT anschließen. „Die Ausweitung eines einheitlichen Ladesystems über die deutschen Grenzen hinaus begrüßen wir sehr“, so Dennis Lindroth, Leiter Fleet & Green Mobility. „Mit dem Plug-in-Hybrid Outlander führen wir jetzt das nächste Elektrofahrzeug in Deutschland ein und wollen an die großen Erfolge des Fahrzeugs im Nachbarland Niederlande anschließen. Hierzu kann eine einheitliche europäische Ladeplattform einen wesentlichen Beitrag leisten. Die Fahrer von Elektrofahrzeugen können jederzeit und überall ihren elektrischen Fahranteil mit Strom aus erneuerbaren Energie erhöhen und somit einen wesentlichen Beitrag zur CO2-Reduzierung im Straßenverkehr leisten.“

e-clearing.net – die offene europäische Plattform

Eine Lösung für den diskriminierungsfreien netzübergreifenden Zugang zu Ladeinfrastruktur bietet e-clearing.net: Diese offene Roaming-Plattform ermöglicht den teilnehmenden Marktpartnern den Austausch von Daten zur Authentifizierung, von abrechnungsrelevanten Daten sowie von Live-Informationen der Ladesäulen. Direkte Geschäftsbeziehungen schließen die Marktpartner bilateral untereinander ab. Es schaltet sich somit kein weiterer Partner in die Wertschöpfung ein. Zudem entscheidet jeder Teilnehmer autark über die Wahl seiner Geschäftspartner, es besteht kein Kontrahierungszwang.

„e-clearing.net mit dem dahinterliegenden IT-System soll kostenneutral betrieben werden, es soll also kein Geschäft mit der Plattform an sich gemacht werden“, so Dr. Mark Steffen Walcher, Geschäftsführer der smartlab Innovationsgesellschaft mbH. Es werden zudem keinerlei nutzer- oder transaktionsbasierte Gebühren erhoben, wodurch zusätzliche Roaming-Kosten vermieden werden können. Finanzieren soll die Plattform sich über Mitgliedsbeiträge der angeschlossenen Teilnehmer. Es ist geplant, die Beiträge jährlich festzulegen und nach der Unternehmensgröße, z. B. in den Kategorien „klein“, „mittel“ und „groß“, zu bemessen. Je mehr Mitglieder es gibt, desto geringer sind die Beiträge. Die Plattform ist ein offenes System, alle Marktpartner sind eingeladen, an e-clearing.net teilzunehmen. Auch die Vernetzung mit anderen Plattformen ist geplant.